Fachnorm & Ingenieurbau

Rüttelkeramik nach AGI S 40: Der Industriestandard für Säureschutz und Schwerlast

Während herkömmliche Fliesenverlegung im Industriebau an Hohlräumen und Scherspannungen scheitert, definiert das Arbeitsblatt AGI S 40 („Chemisch beständige Bodenbeläge im Rüttelverfahren (Säureschutzbau)“, Ausgabe Mai 1999) den anerkannten Industriestandard für produktionskritische Böden. Erfahren Sie alles über das maschinelle Rüttelverfahren, Materialkennwerte und die fachgerechte Ausführung.

Was regelt das Arbeitsblatt AGI S 40?

Das Arbeitsblatt AGI S 40 mit dem Titel „Chemisch beständige Bodenbeläge im Rüttelverfahren (Säureschutzbau)“ (Ausgabe Mai 1999) wird von der Arbeitsgemeinschaft Industriebau e. V. herausgegeben und regelt die Planung, Ausführung und Gütesicherung von keramischen Belägen im industriellen Säureschutzbau. Es richtet sich an Betriebe, in denen Bodenflächen gleichzeitig extremen chemischen Angriffen (Säuren, Laugen, Fette) und mechanischen Einwirkungen (Flurförderzeuge, dynamische Radstöße) standhalten müssen.

Der entscheidende Unterschied zur Handverlegung

Bei der Handverlegung (ob Dünnbett oder Dickbett) verbleiben unvermeidbar Lufteinschlüsse unter den Fliesen. Unter harter Staplerüberrollung bricht die Fliese genau an diesen Hohlräumen. Beim maschinellen Rüttelverfahren nach AGI S 40 werden die Platten mit hochfrequenten Flächenrüttlern in das plastische Mörtelbett eingerüttelt. Die Vibration verflüssigt den Verlegemörtel kurzzeitig thixotrop: Der Mörtel umschließt jede Fliese zu 100 % hohlraumfrei und steigt in den Fugenflanken auf.

Technische Leistungswerte im Vergleich

LeistungsparameterHandverlegte FlieseAGI S 40 Rüttelkeramik
Bettungsgrad (Vollbettung)60 % – 75 %100 % (hohlraumfrei)
Druckfestigkeit System25 – 30 N/mm² (estrichabhängig)Druckfestigkeit laut Herstellerdatenblatt
TemperaturbeständigkeitBis 60 °CBis 120 °C (laut Herstellerdatenblatt, CIP-geeignet)
Punktlast (Vulkollanrollen)Bruchgefahr bei HohlstellenHohe Belastbarkeit durch hohlraumfreie Bettung
VerfugungsmaterialZementär / Dispersionsfuge2K-Epoxid- / Novolac-Harz

Typische Einsatzbereiche in der Industrie

Rüttelkeramik nach AGI S 40 wird überall dort eingesetzt, wo ein Bodenausfall existenzbedrohend ist:

  • Molkereien & Käsereien: Beständigkeit gegen Milchsäure, Salzlake und tägliche CIP-Reinigung mit 85 °C Heißwasser.
  • Brauereien & Getränkeindustrie: Schutz vor Fruchtsäuren, Kohlensäure, Laugen und schweren Fassrollern.
  • Fleisch- & Feinkostbetriebe: Fett-, Blut- und Eiweißbeständigkeit bei geforderter Rutschhemmklasse R12 bis R13 V4.
  • Chemie & Batterieproduktion: Säureschutz nach WHG § 62 und Beständigkeit gegen anorganische Säuren (z. B. Schwefel-, Salzsäure).

Systemaufbau eines AGI S 40 Rüttelbodens

  1. 1. Tragfähiger Unterbeton: Kugelgestrahlt oder gefräst, Mindesthaftzugfestigkeit 1,5 N/mm².
  2. 2. Haftbrücke / Dichtschicht: Reaktionsharz-Grundierung oder polymermodifizierte Kontaktschlämme.
  3. 3. Rüttelbettmörtel: Erdfeuchter, kunststoffvergüteter Spezialmörtel mit optimierter Sieblinie (Schichtdicke ca. 50–80 mm).
  4. 4. Säureschutz-Spaltklinker / Steinzeug: Hochabriebfeste, säurebeständige Platten mit 15 bis 18 mm Materialstärke.
  5. 5. Chemikalienbeständige Verfugung: Vollfugiger Verguss mit 2K-Epoxidharzmörtel nach AGI S 40.

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