Fugen-Forensik · Fall 05
Thermoschock: Wenn heißes Reinigungswasser Beschichtungen abplatzen lässt
In Brauereien, Molkereien und Großküchen trifft kochendes Wasser oder heißer Dampf aus CIP-Reinigungsanlagen binnen Sekunden auf den Hallenboden. Herkömmliche Epoxidharze halten diesen extremen Temperaturgradienten nicht stand. Wir erklären die physikalischen Ursachen und zeigen beständige Alternativen.
Das Schadensbild: Schollenartige Enthaftung
Kurz nach der Inbetriebnahme oder nach Umstellung der Reinigungsprozesse auf Heißwasser (> 80 °C) bilden sich Blasen und netzartige Risse in der Bodenoberfläche. Schließlich löst sich die Beschichtung großflächig schollenartig vom Betonuntergrund ab – oft mitsamt der oberen Betonschlämme.
Die forensische Ursache: Thermischer Längenausdehnungskoeffizient & Glasübergang
Standard-Epoxidharzbeschichtungen besitzen eine Glasübergangstemperatur (Tg) von meist nur 50 bis 60 °C. Wird diese durch 85 °C heißes Wasser überschritten, wird das Harz weich und verliert seine mechanische Festigkeit. Gleichzeitig dehnt sich das Harz rund fünfmal stärker aus als der kalte Beton darunter (ΔL-Diskrepanz). Die resultierenden Scherspannungen in der Klebefuge übersteigen die Zugfestigkeit des Betons – die Beschichtung reißt ab.
Betriebliche Konsequenzen
- Sofortiger Produktionsausfall: Abgelöste Schollen blockieren Bodenabläufe und gefährden die Betriebssicherheit.
- Rutschgefahr: Glatt abgelöste Teilflächen werden in Kombination mit Wasser und Fetten zur akuten Sturzgefahr.
- Betonzerstörung: Ungeschützter Rohbeton wird durch Heißwasser und säurehaltige CIP-Laugen direkt angegriffen.
Die zwei thermodynamisch stabilen Systeme
Gegen Thermoschock gibt es nur zwei dauerhaft erprobte Baustoffklassen:
Keramischer Rüttelboden nach AGI S 40
Industrieklinker mit einer Dicke von 15 bis 18 mm. Keramik besitzt einen dem Beton sehr ähnlichen Ausdehnungskoeffizienten und widersteht bei geeigneter Verfugung Temperaturen bis 120 °C (laut Herstellerdatenblatt des Reaktionsharzmörtels). Vollflächige Rüttelverdichtung garantiert hohlraumfreie Einbettung.
Hochtemperatur-PU-Beton (9 mm)
Polyurethan-Zement-Hybridbelag. In einer Schichtdicke von 9 mm dauerhaft dampfstrahlfest bis 120 °C (laut Herstellerangabe). Elastisches Verhalten gleicht Temperaturspitzen schadlos aus. Fugenloser Einbau möglich.
Technische Ersteinschätzung anfordern
HSB bewertet Belastungsprofil, Untergrund und Sanierungsoptionen vor Ort – die Ersteinschätzung wird nicht in Rechnung gestellt und ist mit keiner Kaufverpflichtung verbunden. Drei Angaben genügen für eine erste Einschätzung:
Branche und Nutzung
Welche Belastungen sind relevant?
Fläche und Situation
Neubau, Sanierung oder Reparatur?
Zeitfenster
Wann ist der Eingriff möglich?